Raucherraum

 

 

Auf diese ungewöhnliche Idee kam seit dem seit 1. Oktober geltenden Rauchverbot in Gasträumen bisher wohl kaum ein Gastronom in Hessen. Das Wirtsehepaar der Steinheimer Traditionsgaststätte "Deutscher Michel", Helga und Henry Hartl, schaffte es nach langen Verhandlungen mit der Stadt Hanau, dass ab heute ein mehr als 40 Jahre altes Feuerwehrfahrzeug als "Raucherstübchen" vor die Gaststätte gestellt werden darf. Die rollende Raucheroase wird heute um 17 Uhr offiziell eingeweiht.

Der Feuerwehr-Oldtimer soll Rauchern vor dem Lokal in der Steinheimer Elisabethenstraße ein warmes Obdach bieten. Die Zeiten des Frierens und des hastigen Rauchens "uff de Gass" sind dort passé. Ordnungsamt, Brandschutzamt und Straßenverkehrsbehörde haben nun keine Bedenken mehr, dass Gäste im neuen Rauchermobil dem Zigarettengenuss frönen.

Einst rückten auf den Bänken im mit zwei Rundumleuchten ausgestatteten Mannschafts- und Pumpenwagen Baujahr 1967 bis zu 13 Wehrleute zum Löschen von Bränden aus. Nun glühen im zum Raucherraum umgebauten Fahrzeug die Glimmstängel. Drei kniehohe Bistrotische bieten Abstellmöglichkeiten für Getränke. "Wir wollen mit diesem Angebot etwas für unsere Gäste tun. Denn Raucher und Gastronomen sind seit der Einführung des Rauchverbots in Gaststätten am 1. Oktober entmündigt. Raucher werden seitdem wie Aussätzige behandelt", meint Henry Hartl, Gastwirt der Traditionsgaststätte "Zum Deutschen Michel".

Das von den Gastronomen in einem Internetauktionshaus erstandene Feuerwehrfahrzeug wurde in den vergangenen Wochen zum Raucherstübchen umgebaut. Henry Hartl wurde dabei unterstützt von seinem Schwager Hans Birke und seinem Freunde Roland Tegel.

"Ich denke, so etwas ist auch im Sinne der Nachbarn, denn nun halten sich meine rauchenden Gäste nicht mehr vor dem Haus auf, sondern können sich im mobilen Raucherstübchen ungestört unterhalten und vor allem rauchen", so Hartl.

Nachdem Hartl mit dem Vorbesitzer, einem Privatmann aus Berlin-Charlottenburg, einen Termin für die Übergabe des historischen Fahrzeugs ausgemacht hatte, flog er mit seinem Enkel David am 28. Dezember nach Berlin-Tegel. Er wurde dort vom Vorbesitzer des Feuerwehr-Oldtimers erwartet. "Eigentlich wollte er das Fahrzeug zu einem Büroraum umbauen, doch dies scheiterte bei ihm an Zeitmangel. Deshalb verkaufte er das Fahrzeug", berichtet Hartl. "Mein Enkel und ich sind mit dem Feuerwehrauto von Berlin achteinhalb Stunden nach Steinheim zurückgefahren. Der Magirus Deutz fährt ja maximal Tempo 75 und so mussten wir auf der langen Rückfahrt auf der Autobahn viele Laster passieren lassen."

Das Fahrzeug mit dem Namen "Florian 24/45-2" war vor dem Verkauf nach Berlin ursprünglich bei der Feuerwehr Borchen nahe Paderborn im Einsatz. "Der Oldtimer hat eine Laufleistung von nur 26160 Kilometern und ist noch voll fahrtüchtig", sind die Wirtsleute der seit 54 Jahre bestehenden Gaststätte, stolz auf ihre Idee und das erworbene automobile Schnäppchen.